Hier das Interview, das Fabian Diehr von wortundform mit unserem Christian Götze geführt hat. Abgedruckt wurde das Interview im VDWF-Magazin 03/2022 ab Seite 24. Den Link dazu gibts unter dem Text.

 

Die Partnervermittlung der Kunststoffindustrie – Im Gespräch mit dem Gründer der Plattform Toolplace Christian Götze

 

Partnersuche im Werkzeug- und Formenbau: Mit einer aktiven Vertriebsabteilung lassen sich effektiv Kunden mit dem passenden Portfolio gewinnen. Gerade für kleinere Unternehmen ist die Investition in einen Vertriebsmitarbeiter oft jedoch eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung. In Zukunft soll es auch ohne Vertrieb gehen: Die Plattform Toolplace verhilft ihren Mitgliedern zu mehr Sichtbarkeit und sorgt umgekehrt bei kunststoffverarbeitenden Betrieben für die richtigen „Matches“.

 

Christian, wie bist du auf die Idee zu Toolplace gekommen?

Während meiner Zeit bei GKTool war es für mich immer selbstverständlich, mit einem proaktiven Vertrieb auf Kunden zuzugehen und nach Möglichkeiten zu suchen, ihnen einen Mehrwert zu generieren. Ich habe dann gemerkt, dass dieses Vorgehen bei vielen Werkzeugmachern der Branche nicht selbstverständlich ist, ganz im Gegenteil. Ähnliches gilt für die Kunststoffverarbeite: Es hat eben nicht jeder Spritzgießer die Möglichkeit, einen strategischen Einkäufer zu beschäftigen. Also habe ich überlegt, wie ich mit meinen Fähigkeiten, mit meiner Erfahrung in Werkzeugtechnik, Entwicklung und Vertrieb, die vielen losen Enden verbinden kann und beide Branchen weiterbringen kann.

 

Wie lange gibt es die Idee schon?

Lange. An dem Konzept überlege ich schon seit 3 Jahren. Aber neben der guten Idee ist der Schritt in die Selbstständigkeit natürlich auch eine große Entscheidung. Letztes Jahr im Mai hat mir meine Frau dann zum Geburtstag eine Tasse mit dem Toolplace-Logo geschenkt. Das war dann der finale Impuls, es endlich anzupacken.

 

Die Werkzeugmacher-Branche und die kunststoffverarbeitende Industrie ist aktuell sehr belastet, durch Corona aber auch zunehmenden Preisdruck und Lieferengpässe. Wie war es für dich, in dieser Zeit ein Startup zu gründen?

 

Mich selbstständig zu machen, war schon immer mein Traum. Ich bin es gewohnt, viel zu arbeiten und seit der Gründung von Toolplace arbeite ich noch mehr. Aber es ist einfach erfüllend. Ich bin seit über 10 Jahren in der Branche tätig und habe diese Passion für hochpräzise technisch anspruchsvolle Werkzeuge entwickelt. Und mit meinem Startup kann ich hier helfen, Krisen zu überwinden. Und was die Zeit betrifft – die ist daher also jetzt genau richtig.

 

Auch weil die Akteure digitaler geworden sind?

Durch Corona haben sich viele Unternehmen daran gewöhnt, digital zu arbeiten, sind also offener geworden. Und auch den Schritt der Lieferantensuche zu digitalisieren, ist eigentlich nur logisch. Die technischen Feinheiten eines Projekts muss man natürlich trotzdem persönlich besprechen.

 

Und wie wird die Online-Plattform bisher angenommen?

Wir sind im Moment in der Entwicklungs- und Testphase und tüfteln am Matchmaking-Algorithmus. Zur K im Oktober werden wir aber offiziell online zu gehen. Tatsächlich sind jetzt schon 15 Werkzeugmacher dabei bzw. im Onboarding-Prozess. Dazu kommen etwa fünf Spritzereien. Das Feedback ist auf jeden Fall sehr positiv.

 

Nach welchen Kriterien wird über Vorschlag oder Nichtvorschlag entschieden?

Zuerst einmal wird es nicht den einen Algorithmus geben, sondern verschiedene in Abhängigkeit der Verfahrenstechnologien oder der spezifisch angefragten Bedürfnisse. Toolplace trifft dann eine Vorauswahl, um den Suchenden Arbeit abzunehmen und die Auswahl zu erleichtern. Die Kriterien selbst habe ich vor allem auf Basis meiner langjährigen Erfahrungen und  meines guten Netzwerkes zu Werkzeugmachern,  Kunststoffverarbeitern und Maschinenherstellern ausgearbeitet. Der Fokus liegt ganz klar auf der Technologie. Das umfasst Aspekte wie prozesstechnologisches Know-how, also ob beispielsweise ein 2K-Spritzguss, Metall-Umspritzen oder Folien-Hinterspritzen gefragt ist. Dann kommt hinzu die Bauteilgröße, vor allem, wenn es sehr groß oder sehr klein werden soll. Erfahrung mit Spritzgießmaterialien ist auch ein wichtiger Punkt. Ebenso natürlich die Branche im Hinblick auf bestimmte Zertifizierungen, die gefordert werden. Aber auch Regionalität kann mit einfließen.

 

Toolplace hilft also dabei, Prozesse zu verkürzen und effizienter zu gestalten.

Auf jeden Fall. Für die kleinen und mittelständischen Unternehmen ist es sehr praktisch, Unterstützung im Lieferantensuch – und Vorauswahlprozess zu bekommen. Dass sich auf Toolplace der Anfrageprozess vollständig durchstrukturiert und automatisiert auf der Plattform abbilden lässt, spart auch für die Teilefertiger viel Zeit. Das Hinzufügen neuer Lieferanten zum Portfolio wird deutlich einfacher. Und ganz generell, durch ein größeres Portfolio werden Unternehmen wettbewerbsfähiger. Mit Toolplace können Kunststoffverarbeiter einfacher passende Lieferanten finden, einfacher Projekte realisieren, einfacher in OEM-Budgets reinkommen. Und dabei können sie sich immer darauf verlassen, dass ein potenzieller Partner wirklich auch das kann, was er bewirbt. Toolplace validiert schließlich alle Lieferanten, bevor sie auf der Plattform zugelassen und proaktiv vorgeschlagen werden.

 

Wie läuft diese Validierung ab?

Es gibt eine Checkliste für das Kompetenzprofil der Werkzeugmacher, die ich selber entwickelt habe. Die müssen sie im Onboarding-Prozess ausfüllen. Im Anschluss folgt ein Besuch vor Ort, wo ich mir gemeinsam mit den technischen Fachkräften den Betrieb ansehe und die angegebenen Kompetenzen bewerte.

 

Im Endeffekt ist Toolplace eine Art Datingplattform. Und die Hochzeit wird sogar mitorganisiert.

Wenn’s schnell gehen muss, bezeichne ich Toolplace als „Elite-Partnervermittlung der Kunststoffindustrie“. Der Kunststoffverarbeiter hat einen konkreten Bedarf, den man technologisch spezifizieren kann. Toolplace wiederum nimmt die technologischen Spezialitäten von Werkzeugmachern auf und bringt auf der Plattform beide Seiten zusammen. Der Bedarf wird sozusagen mit der Kompetenz „gematcht“. Und ja, wir sind organisatorisch quasi bis zum Traualtar mit dabei, auch wenn beide Partner dann selbst das Ja-Wort geben müssen.

 

Dein Metier ist ja Kunststofftechnik und im Moment ist Toolplace genau darauf ausgerichtet. Wird sich die Plattform in Zukunft weiter öffnen, beispielsweise für Stanzwerkzeuge?

Das ist definitiv geplant. Bald sollen Toolplace auch Hersteller von Stanzwerkzeugen, Druckgusswerkzeugen sowie von Biege- und Umformwerkzeugen nutzen. Viele, die Spritzgusswerkzeuge bauen, vereinen diese Bereiche schließlich sogar im selben Haus und die sollen natürlich alle ihre Kompetenzen anbieten können. Auch geografisch wird sich die Anwendung vergrößern. Aktuell beschränken wir uns auf den DACH-Raum, aber es ist angedacht, langfristig auch Aufträge überall aus der Welt auf die Plattform zu holen.

 

Heißt das, es können sich dann auch chinesische Werkzeugmacher anmelden? Viele haben Angst vor der Konkurrenz aus dem Ausland, vor allem, wenn es sich um Billiganbieter handelt.

Wenn Unternehmen mit Lieferanten aus dem Ausland Geschäfte machen möchten, dann tun sie das ohnehin, ganz unabhängig von Toolplace. Und wenn ein Unternehmen seine bereits etablierten Partner auf der Plattform haben möchte, um die Projekte über das Portal zu strukturieren, dann wird das auch möglich sein. Allerdings ist der Lieferanten-Validierungsprozess ja ein zentraler Bestandteil von Toolplace und das können wir vorerst nur im DACH-Raum leisten und nicht in China. Sollten also ausländische Anbieter auf der Plattform registriert sein, heißt das nicht automatisch, dass sie von TOOLPLACE auch proaktiv vorgeschlagen werden. Das werden nur technologisch validierte Unternehmen. Abgesehen davon glaube ich durchaus, dass der Bedarf an hochwertigen und präzisen Werkzeugen Made in Germany oder Made in Austria oder Swiss Made vorhanden ist. Toolplace hilft dann eben dabei, sowohl den Bedarf als auch die entsprechenden Angebote sichtbar zu machen.

 

Dann fehlt jetzt noch die Frage, die den meisten Lesern bestimmt schon die ganze Zeit im Kopf herumspukt: Was kostet das Ganze?

Es gibt für alle eine kleine Onboarding-Gebühr und nochmal eine kleine jährliche Fixgebühr. Ansonsten verdient Toolplace nur dann, wenn tatsächlich Aufträge generiert werden. Das ist ein Geschäftsmodell, das für alle Seiten fair ist. Und es war mir auch wichtig, bei mir und Toolplace Druck aufzubauen, dass wir eben auch liefern müssen. Toolplace soll niemandem das Geld aus der Tasche ziehen, sondern eine Plattform sein, die die Leute gerne verwenden!

 

Neugierig über TOOLPLACE? Dann kontaktieren Sie uns gern.

 

Und hier noch der Link zum VDWF-Magazin:

VDWF Magazin 03/2022 ab Seite 24